Heimischen Dialekt bewahren: Obermögersheimer sammelten Begriffe und Redewendungen in einem Buch

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Obermögersheimer Dialekt Buch Autoren

Nach vierjährigen Recherchen konnte ein fleißiges und gut harmonierendes Autoren- und Redaktionsteam die Vorarbeiten zu einem Buch über den Obermögersheimer Dialekt abschließen. Nun stellten Friedrich Biermeyer, Rosa Bickel, Erhard Bühringer, Hermann Gebert, Friedrich Prechter und Helmut Schlicker im bis auf den letzten Platz gefüllten Gasthaus „Brui“ das gelungene Werk der Öffentlichkeit vor. Nach der musikalischen Einstimmung durch das Obermögersheimer Bläserquartett „Graue Koodêr“ begrüßte der Initiator, Ideengeber und Vorsitzender des Arbeitskreises „Obermögersheimer Dialekt“ Friedrich Biermeyer die Gäste, unter denen sich auch eine Reihe von Ehrengästen befand. Er berichtete über die ersten eigenen Schritte einige Dialektwörter aufzuschreiben. Es folgte die Gründung des Arbeitskreises, der sich dann harmonisch und zielorientiert an die Arbeit machte, Dialekt-Begriffe und Redewendungen zu sammeln und aufzuarbeiten, damit die Obermögersheimer Sprache nicht in Vergessenheit gerät. Hermann Gebert hatte sich bereits in der Obermögersheimer „Chronik eines ehemaligen Freidorfes“ aus dem Jahre 2002 mit dieser Thematik befasst und einen Mundartbeitrag zu einer landwirtschaftlichen Tätigkeit aus der früheren Zeit beschrieben.

Die Einführung in den Inhalt, und Erläuterungen zur Einteilung und Handhabung des Buches übernahm Helmut Schlicker, der für die Gesamtbearbeitung und Koordination federführend war. Als guter Moderator bezog er die Gäste in seine Erklärungen und Ausführungen mit ein. Er wusste zu berichten, dass schon beim Versuch, den eigenen Text niederzuschreiben, die Autorengruppe schnell mit einem grundsätzlichen Problem in Berührung kam. Es wurde deutlich, dass es sich bei einem Dialekt im Grunde um eine „Fremdsprache“ handelt, deren Schreibweise in einer Art Lautsprache gewöhnungs- und erklärungsbedürftig ist. Eine im Buch vorangestellte Legende, die als Bedienungsanleitung verwendet werden kann (und folgend auszugsweise zitiert wird), soll eine Hilfestellung sein, um sich im Dialekt-Büchlein zurechtfinden zu können. So ist in den Einführungsworten unter anderem beschrieben, dass der Obermögersheimer Dialekt auffallend viele schwäbische Laute beinhaltet. Statt „S“ wird hier meist „sch“ (z.B. gehst du mit? – geschd mied) gesprochen. Wie im Dialektwort „Mächâschâ, treten häufig Buchstaben mit einem kleinen Hütchen auf (â, ê). Diese Buchstaben werden wie ein leichtes Stöhnen gesprochen, exakt wie der englische unbestimmte Artikel. So ist „a house“ „ â Haus“ oder wie das „e“ in der deutschen Vorsilbe „ver-brennen“ wird „vê-brennâ“. Wie im fränkischen üblich, wird auch das „p“ zum „b“ (z.b. putzen – budzâ) oder das „t“ zum „d“ (trocknen – druggnâ). Dem Selbstlaut „u“ wird oft ein weich gesprochenes „â“ angehängt (z.B. Blut – Bluâd). Wortendungen mit „-ig“ werden im Obermögersheimer Dialekt meist als „-ich“ oder „-i“ ausgesprochen (z.B. heilig – heilich oder heili).

In einem zehnseitigen Dialektverzeichnis sind die Wörter und Begriffe in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt und mit einer Seitenangabe versehen, auf der das Dialektwort und dessen Bedeutung näher beschrieben wird. Der weitere Inhalt des Buches widmet sich der Gegenüberstellung der Dialektworte und ihrer hochdeutschen Bedeutung. Hier werden Unterteilungen in Themenbereiche wie Haus (z.B. Treppe = Boodâschdiâch), Landwirtschaft (z.B. Jauchefass = Mieschdlachâfooß, Personen (z.B. schmächtige Person = Grischbâlâ), Tiere (z.B. Saugferkel = Duddâsailâ), Pflanzen (z.B. Möhren = Gählruâbâ), Wetter (z.B. Schneewehe = Gääwindâ), Bräuche (z.B. Hochzeitsgeschenk überreichen = Hougsâdschenggâ), Spielzeug (z.B. Seilhüpfen = Schdrieghupfâ) und Schule (z.B. Büchertasche = Biâchêrsagg) vorgenommen. Redewendungen (z.B. vollkommen verdreckt = iebêrâdiebêr vollêr Drääg) und Beiträge zu Jahres- und Tagesabläufen (z.B. Silvester = Aldjouhroubâd) werden ebenfalls beschrieben. Ortstypische Kurzgeschichten wie „ Die Getreideernte“ – D´Ärnd, „Milchgeldauszahlung“ – Milchgäldauszohling, „Kalben einer Kuh“ – Kiâkelbêrâ, „Konfirmation“ – Balmsundi, „Schneeräumen“ – Schnäiraumâ sind im Büchlein niedergeschrieben und mit entsprechenden Bildern versehen.

Zu kaufen ist das Buch zum Preis von 7,50 € zu den offiziellen Ladenöffnungszeiten in „Bohner´s Backstube“ in Obermögersheim .

This article was written by Hermann Walther

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